Die ukrainische Autorin Lena Lagushonkova ist in Stuttgart mit dem Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis 2022 ausgezeichnet worden. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vergeben und von der SRH Holding gefördert.
Pressemitteilung
Kunstministerin Petra Olschowski sagte in ihrer Festrede anlässlich der Preisverleihung im Kammertheater:
„Der Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis setzt einen bedeutenden Akzent, der junge europäische Gegenwartsautorinnen und -autoren und damit zeitgenössische Dramatik stärkt. Dieser Preis macht deutlich: Theater sind Orte, die uns europa- und weltweit vernetzen und über die wir im intensiven künstlerischen, gesellschafts- und kulturpolitischen Austausch zu den aktuellen Themen und Ereignissen unserer Zeit sind. Gerade die diesjährige Preisträgerin Lena Lagushonkova zeigt, wie wertvoll die Arbeit der jungen Autorinnen und Autoren für das aktuelle Theatergeschehen, die Auseinandersetzung mit der Gegenwart und die Relevanz des Theaters sind.“
Prof. Dr. Christof Hettich, Vorstandsvorsitzender des Gesundheits- und Bildungsunternehmens SRH, das den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis fördert, erklärte: „Kunst hat meiner Ansicht nach auch die Aufgabe, das gesellschaftliche Leben zu beleuchten, kritisch zu hinterfragen und Impulse zu geben. Wenn es darum geht, einen anderen, neuen und besonders kritischen Blick auf das Befinden einer Gesellschaft zu werfen, dann sind es doch oft Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstler, die genau das tun. Menschen, die keinen ausgetretenen Pfaden folgen, sondern selbst neue schaffen. Diese Offenheit im Betrachten in Verbindung mit einer gesellschaftlichen Verantwortung, wollen wir honorieren. Und deshalb fördert die SRH den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis. Lena Lagushonkova ist eine Künstlerin, die keinen ausgetretenen literarischen Pfaden folgt. Sie schafft sich selbst neue. Sie ist eine ‚Pfadschafferin‘, und dafür hat sie den Europäischen Nachwuchsdramatiker:innen Preis 2022 sehr verdient.“
Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski betonte in seiner Begrüßung:
„Die Förderung junger Dramatik liegt mir schon lange sehr am Herzen. Mit Lena Lagushonkova erhält eine hochtalentierte und sehr besondere junge Dramatikerin diesen Preis. Ganz besonders freue ich mich, dass es uns gelungen ist, sie mit einer Produktion hier präsentieren zu können, die in den letzten Wochen hier in Stuttgart von einem ukrainischen Team erarbeitet wurde. So können wir immerhin einen gewissen Einblick in ihr Werk ermöglichen. Ich hoffe, dass wir die Zusammenarbeit mit Lena Lagushonkova fortsetzen können.
Mein herzlicher Dank gilt der SRH Holding und ihrem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Christof Hettich, der erneut diesen Preis durch seine großzügige Unterstützung möglich gemacht hat.“
Der mit 25.000 Euro dotierte Europäische Nachwuchsdramatiker:innen Preis wird alle zwei Jahre vom Schauspiel Stuttgart vergeben und von der SRH Holding, Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christof Hettich, gefördert. Diesjähriger Alleinjuror war der litauische Dramatiker, Essayist, Prosa- und Drehbuch- autor, Journalist und Regisseur Marius Ivaškevičius, der auch die Laudatio hielt.
Zu Lena Lagushonkova
Die Preisträgerin Lena Lagushonkova wurde in Stanyzja Luhanska geboren und studierte an der geschichtlichen Fakultät der Universität Luhansk. Zurzeit lebt sie in Polen. Ihr bisheriges Werk umfasst acht Stücke, die an Theatern in Kyiv, Charkiw und Odessa uraufgeführt wurden. Sie arbeitete mit dem Young Theatre und dem PostPlay Theatre, ko- kuratierte Projekte der National Association of Theatre Activists of Ukraine und ist Mit- begründerin des Theater of Playwrights in Kyiv. Sie schreibt über das Leben in der Ukraine vor dem Hintergrund der gewaltsamen Veränderungen seit den 1990er Jahren, der Proteste auf dem Maidan und der Besetzung der Ost-Ukraine. Basierend auf Fragmenten des alltäglichen Lebens erzählen Lagushonkovas Stücke in einer leisen, präzisen Sprache von Krieg, Armut und Verwüstungen – komisch und tragisch zugleich.
Im Anschluss an die Preisverleihung wurde Lagushonkovas Stück Мать Горького / Gorkis Mutter in der Regie von Maxim Golenko gezeigt, das am 18. November im Kammertheater Premiere hatte.
Bereits am Nachmittag wurde im Foyer des Schauspielhauses die audiovisuelle Installation Kein Kirschgarten von Luda Tymoshenko und Anna Scherbyna eröffnet, die noch bis Ende des Jahres dort zu sehen ist.
Foto: Björn Klein