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Interview mit Kathleen McNurney, künstlerische Leiterin des Tanz Luzerner Theater

 

10- JÄHRIGES JUBILÄUM TANZ LUZERNER THEATER 

Das Ensemble Tanz Luzerner Theater feiert sein zehn jähriges Jubiläum. Für szenik Magazin die Gelegenheit zu gratulieren und mit Kathleen McNurney, künstlerische Leiterin des Tanz Luzerner Theater, zurückzublicken. Wie hat sich das Ensemble entwickelt? Wie werden Choreografien ausgesucht und wie vom Publikum empfangen? Ein kleiner Einblick, der Lust auf mehr macht… und das im Viervierteltakt!

 

Sie sind in den USA geboren; was brachte Sie nach Luzern?

Zunächst kam ich 1980 als Tänzerin in Heinz Spoerlis Basler Ballett in die Schweiz. Viele Jahre später, 1996, wurde mir die Position als Ballettmeisterin am Luzerner Theater bei Richard Wherlock angeboten.

 

Was war der Grundstein für Tanz Luzerner Theater? Ist der Name als eine Aufforderung zu verstehen: „Tanze Luzerner Theater!“?

Nein, der Grund für die Namenswahl war ein Anderer. Als ich 2008 vom damaligen Intendanten Dominique Mentha angefragt wurde, ob ich die Tanzkompanie am Luzerner Theater übernehmen möchte, waren wegen des „Salle Modulable“ in Luzern viele kulturpolitische Diskussionen im Gang, inklusive der Diskussion über einen möglichen Spartenabbau am Luzerner Theater. Mir schien es wichtig, mit dem Namen Tanz Luzerner Theater eine klare Verknüpfung und Zugehörigkeit zum Luzerner Theater zu schaffen.

 

In zehn Jahren lernt man dazu; man wird reifer. Trifft dies auch auf Ihr Tanzensemble zu?

Ganz klar. Dies trifft sowohl auf mich zu, als auch auf mein Tanzensemble.

 

Romeo und Julia (Copyright Ida Zenna)

 

Welchen Herausforderungen sahen Sie sich in den vergangenen zehn Jahren gestellt?

Budgetdiskussionen zählten sicherlich zu den größten Herausforderungen in den vergangenen zehn Jahren. Jahr für Jahr sind wir als Ensemble künstlerisch gewachsen. Es ist mir ein großes Anliegen, auch in Zukunft die hohe Qualität unseres Tanzensembles beizubehalten und weiter zu entwickeln, ohne dass Budgetkürzungen diese Entwicklung gefährden könnten.

 

Wie stellen Sie Ihr Programm zusammen?

Ich habe ständig Themen und Künstler im Hinterkopf und schaue mir möglichst viele Tanzproduktionen an. Daraufhin stelle ich eine Art „Tanzmenu“ zusammen. Und zum Glück plane ich sehr gern!

 

Was bietet Ihnen Inspiration für Ihre Arbeit?

Ich glaube zu 100% an unsere Kunstform, sei es abstrakter Tanz, wie gerade in der aktuellen Produktion Tanz 28: New Waves oder als Handlungsballett. Tanz vermittelt und bewegt so viele Menschen ohne Worte. Ich halte mich ganz an das Motto „We move to move you“: Meine Inspiration kommt von dem, was wir unserem Publikum geben können.

           Trailer zu Tanz 28: New Waves

 

Ihr Ensemble zeichnet sich durch junge, von Talent übersprudelnden Tänzern und aus. Wie suchen Sie diese aus und wie werden Sie von Ihnen unterstützt?

Einmal Tänzerin, immer Tänzerin. Ich glaube, dass ich unser Ensemble gut unterstützen kann, weil ich genau weiss, wie anspruchsvoll dieser Beruf ist. Und zum Glück eilt uns unser Ruf nun voraus. Die guten Leute bewerben sich bei uns, ohne dass ich weit suchen muss.

 

Offenheit ist eines der Schlüsselwörter Ihrer Arbeit. Wie setzen Sie diese in die Tat um? Gibt es lokale oder grenzüberschreitende Projekte, die Sie besonders fördern?

Offenheit gehört zu jedem Schritt meiner Arbeit; offen für neue Ideen, neue Formen und neue Theatersprachen. Aber ich will immer selektiv bleiben können. Nicht jedes Projekt, so toll es vielleicht auch scheinen mag, ist für uns geeignet.

 

 Tanz 1 (Copyright Tanja Dorendorf)

 

In zehn Jahren verändert sich natürlich auch das Publikum! Ist dies spürbar? Ist es ebenfalls reifer oder vielleicht sogar anspruchsvoller bezüglich des Programmes geworden?

Das Tanzpublikum in Luzern ist tatsächlich in jeder Hinsicht mit uns gewachsen! Es setzt sich vertieft mit Tanz auseinander. Die Zuschauer haben eine sehr klare Meinung und Favoriten. Zudem geben sie mir oft wertvolle Feedbacks und sind wahnsinnig stolz auf unser Ensemble! Diese Treue und das Engagement ist unbezahlbar!

 

Das Theater und die Oper widmen sich immer häufiger den Problematiken unserer aktuellen Zeit. Trifft dies auch auf den Tanz zu? Wie kann Tanz zum Nachdenken anregen?

Tanz kann ohne plakative politische Statements zu liefern, Emotionen wecken, welche mit aktuellen Themen zu tun haben. Einsamkeit, Frust, oder Wut aber auch Zärtlichkeit, Heiterkeit und Liebe. Der Körper kann nicht lügen und in Zeiten von «Fake News» ist eine Tanzproduktion vielleicht doch hilfreich, um mit den Problematiken unserer Zeit besser umgehen zu können.

 

Sie leben nun schon seit geraumer Zeit in Luzern. Ist es eine tanzbegeisterte Stadt? Wie hat sich das kulturelle Leben dort in den letzten Jahren entwickelt?

Luzern ist eine absolut tanzbegeisterte Stadt! Ich glaube, dass die Einwohner Luzerns dank dieser unglaublich schönen Stadt, der Natur und der Umgebung, eine unbewusste Affinität zu unserer Ästhetik und Qualität haben. Das es inzwischen fast zu viel kulturelle Angebote in unserem Leben gibt, ist aber ebenfalls eine klare Entwicklung.

 

 Celebration (Copyright Gregory Batardon)

 

In all dieser Zeit haben sich sicherlich viele unvergessliche Momente ereignet. Gibt es eine Begebenheit, die Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Unvergesslich für mich war der spontane Schlussapplaus bei meinem allerersten Tanzabend 2009. Erleichterung und Freude ohne Ende!

 

Natürlich gibt es eine letzte Frage, die uns praktisch im Cha-Cha-Cha von der Zunge rutscht: Was erwartet uns und das Tanz Luzerner Theater in den kommenden Jahren?

Das ist eine heiße Frage! Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich nur sagen, dass wir unserem bisherigen Konzept in den nächsten zwei Spielzeiten treu blieben werden: Wir werden Tanzproduktionen mit Präzision, Emotion und hoher Qualität liefern. Und es gibt wirklich ein paar zukünftige Cha-Cha-Cha Überraschungen mitzuteilen, aber dafür müssen Sie noch ein bisschen Geduld haben!

 

HABEN SIE VIELEN DANK UND ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG!

 

 

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Weitere Informationen zum Programm des Tanzensembles auf der Homepage des Luzerner Theater

 

 

 

Foto: Ingo Hoehn

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